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Krematorium

Kremation, Verbrennung eines Sarges


1. Begriff


Das Wort Krematorium leitet sich vom lateinischen Verb „cremare“ her, das „verbrennen“ bedeutet.


2. Technisches


2.1 Kremationsprozess


Im Krematorium wird der Leichnam mineralisiert. Mineralisierung bedeutet der Abbau von organischen zu anorganischen Stoffen. Dies geschieht im Krematoriom durch Oxidation des Leichnams. Dieser Oxidationsprozess wird durch die Selbstentzündung des Sarges aufgrund der im Ofen herrschenden Hitze in Gang gesetzt und durch Luftzufuhr fortgeführt.


2.2 Ofenarten


Es existieren im Wesentlichen zwei Ofenarten:

1. Der Flachbettofen

Im Flachbettofen liegt die Leiche bzw. die Asche während des gesamten Einäscherungsprozesses in einer Hauptbrennkammer (Muffel).

2. Der Etagenofen

Im Etagenofen wird der Leichnam in der oberen Kammer verbrannt, die Mineralisierung der Knochen findet in der zweiten Etage statt.

Bei beiden Ofenarten verbleiben nach dem Oxidationsprozess (der Verbrennung) im Ofen noch größere, zerbrechliche Knochenteile, die in einer Knochenmühle klein gerieben werden. Danach wird die Asche in die Aschekapsel gefüllt.


3. Rechtliches


Mit dem Feuerbestattungsgesetz von 1934 wurde die Feuerbestattung der Erdbestattung im Wesentlichen gleich gestellt. Dieses Gesetz hatte bis in die jüngere Vergangenheit noch in einigen Bundesländern als Landesrecht weiter gewirkt.


3.1 Privatisierung


In den meisten Bundesländern können auch Privatpersonen bzw. Unternehmen Träger von Krematorien sein. Nur in Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind Privatpersonen als Träger grundsätzlich ausgeschlossen. In Rheinland- Pfalz sind zumindest sogenannte Feuerbestattungsvereine als Träger zugelassen. In den übrigen Ländern müssen bei Vorliegen der Genehmigungsvoraussetzung (insbesondere die Voraussetzungen zur Erteilung einer Baugenehmigung und regelmäßig die Einhaltung der Voraussetzungen nach der Bundesimissionsschutzverordnung)die entsprechenden Genehmigungen überall erteilt werden, außer in Nordrhein-Westfalen und Berlin. In letzteren Bundesländern sind die Friedhofsträger dann nur berechtigt, aber nicht verpflichtet den Privaten das Betreiben eines Krematoriums zu überlassen, die Genehmigung liegt im Ermessen der zuständigen Behörde.1


3.2 Baugenehmigung


Lange Zeit war streitig, ob ein Krematorium mit Abschiedsraum in einem Gewerbegebiet zulässig ist.
Das Bundesverwaltungsgericht hat dazu am 02.02.2012 unter dem Aktenzeichen 4 C 14.10 grundsätzlich entschieden:
Zwar könne ein solches Krematorium eine Anlage für kulturelle Zwecke im Sinne des § 8 III Nr. 2 BauNVO darstellen, allerdings handele es sich um einen Friedhöfen vergleichbaren Ort der Ruhe, des Friedens und des Gedenkens an die Verstorbenen. Dies vertrage sich nicht mit der Zweckbestimmung eines Gewerbegebietes, welches von "werktätiger Geschäftigkeit" geprägt sei.


4. Geschichte/ Entwicklung


Mit dem ersten Krematorium 1878 in Gotha wurde die Feuerbestattung in Deutschland wieder eingeführt, 1934 mit dem Feuerbestattungsgesetz der Erdbestattung rechtlich gleichgestellt.2
1996 gab es in Deutschland 113, 2005 140 und im Jahr 2019 160 Krematorien.3
Aufgrund dieser rasanten Entwicklung ist ein starker Wettbewerb zwischen Krematorien entstanden.


5. Fußnoten


1. § 18 Abs. 4 BestG Bn; § 1 Abs. 7 BestG NW.

2. Zentralinstitut für Seprulkalkultur (Hrsg.): Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur: Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Teilband III Frankfurt: Fachhochschulverlag, 2010. - ISBN 978-3-940087-67-6 - S.132

3. https://www.cremation.org.uk/international-statistics-1996
http://www.cremation.org.uk/international-statistics-2005
http://entwicklung1.aeternitas.de/krematorien_online



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