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"transmortale VIII" - Von Sicherheitssärgen, Sterbehilfe und spielerischer Trauerarbeit

Neue Forschungen zum Thema Tod | | 0 Kommentare |


Von Filiz Gisa Cakir

Es wurde viel diskutiert, auf der transmortale VIII - Am Samstag, dem 10. März lud das Museum für Sepulkralkultur in Kassel mal wieder zu diesem besonderen, jährlich stattfindenden Workshop ein. NachwuchswissenschaftlerInnen aus ganz Deutschland stellten ihre Forschungsprojekte, Dissertationen und neue Perspektiven auf die Themen Sterben, Tod und Trauer vor. Vertreten waren diverse Metiers, verbunden durch das wissenschaftliche Interesse an diesem immer noch oft tabuisierten Gegenstand.

Veranstaltet wird die "transmortale" von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., der Universität Hamburg, verschiedenen Kooperationspartnern aus Berlin und Bonn und natürlich dem Museum selbst. Neben dem relativ niedrigen Durchschnittsalter fiel auch der hohe weibliche Anteil an Besuchern auf, die im Übrigen sehr zahlreich erschienen. Prof. Dr. Norbert Fischer (Universität Hamburg) und Jan Möllers (Kulturwissenschaftler und Bestatter, Berlin) moderierten und auch Dr. Dirk Pörschmann, nun seit drei Monaten Direktor des Museums für Sepulkralkultur, richtete sein Wort des Öfteren an Publikum und Vortragende.

Während hier der Theologe mit der Architektin und die Historikerin mit dem Bestatter ins Gespräch kommen kann, geht es natürlich ebenso darum, einen Einblick in neue Entwicklungen und Trends im Bereich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Tod zu erhalten. Da die Bearbeitung des Themas sich in den letzten Jahren immer weiter ausdifferenziert hat und viele neue Perspektiven hinzugekommen sind, verwunderte die interdisziplinäre Themenauswahl der Vorträge auch nicht weiter.

So waren mit Nina Kreibig und Isabelle Künzer die Geschichtswissenschaften vertreten - obgleich auch diese Vorträge sich stark unterschieden. Nina Kreibig stellte ihre aktuell in Arbeit befindliche Dissertation zu dem Thema "Historische Berliner Leichenhäuser im Diskurs um Ordnung an der Schwelle zur Moderne" vor. Wobei nicht nur Phänomene wie der Sicherheitssarg und die Hysterie um den Scheintod beim Publikum auf reges Interesse stießen. Isabelle Künzer hingegen wandte sich mit Begeisterung der Antike zu und behandelte den altruistischen Alterssuizid im antiken Griechenland. An dieser Stelle zog das Publikum Vergleiche zur heutigen Problematik der Sterbehilfe, was zu einer interessanten Diskussion führte.

Die Kunstgeschichte war vertreten durch Andrea Knittel ("Das tote Ich in der Kunst - Selbstdarstellungen von Künstlern als Tote") und eine eher konservativ anmutende evangelische Theologie durch Jonas Milde ("Alles nur Teufels Jahrmarkt? Ein Plädoyer für die Abendmahlsfeier in der evangelischen Bestattungspraxis").

Der Vortrag von Daniel Ribeiro ("Auseinandersetzung mit dem Sterben im persönlichen Umfeld anhand von Indie-Games. Am Beispiel von That Dragon, Cancer") behandelte für den Großteil der Zuhörenden absolutes Neuland. Dennoch konnte er durch eine lebendige Präsentation einen guten Eindruck verschiedener Videospiele, die sich mit Tod, Trauer, Sterben, aber auch Depression beschäftigen, vermitteln. Bei diesen Spielen, die sich nicht an den Massenmarkt richten, ging es vornehmlich um Trauerarbeit bzw. um die Bearbeitung von Verlusterfahrungen.

Auch Marlene Lippok präsentierte ein überaus aktuelles Anliegen. In ihrem Vortrag "Achtsame Totenfürsorge - ethnographische Betrachtungen sogenannter alternativer BestatterInnen und der Hospizbewegung" stellte sie ihr Dissertationsprojekt vor. In diesem Rahmen begleitet sie BestatterInnen und SterbebegleiterInnen bei deren Arbeit und interviewt sie unteren anderem zu ihrem Selbstbild.

So gut wie alle dieser Forschungsprojekte befinden sich also am "Zahn der Zeit" und lösten somit immer wieder Diskussionsrunden und anregende Gespräche aus. Dieser Umstand fiel nicht zuletzt den Veranstaltern auf, weshalb zum Abschluss noch Impulse für die zukünftige Ausrichtung der transmortale gesammelten wurden.

Es wird mit dem Gedanken gespielt, die Veranstaltung auf mehrere Tage auszuweiten, vielleicht mit einer speziellen Ausstellung zu kombinieren. Auch eine weitere Spezifizierung der Themen werde angedacht. Man kann also gespannt sein auf nächstes Jahr und sich freuen auf ein inspirierendes und spannendes Event!

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